Geschichtlicher Bezug

Geschichte Europa_Tschechien

  • Historischer Kontext (Zeit Franz Kafkas)
  • Tschechien gab es damals noch gar nicht als eigenen Staat, es gehörte zu Österreich-Ungarn
  • 28.10.1918 Erster tschechischer Staat
  •  1864 tschechisch wird als Landessprache eingeführt
  • Kafkas Muttersprache war deutsch und er schrieb auf Deutsch

Belle Epoque
– Rivalitäten, des 1.Weltkriegs 1914-1918  

Deutschland,
Österreich-Ungarn,
Osmanisches Reich,
Bulgarien
Frankreich,
GB, Russland,
Italien, USA … und weitere
–> die Entente
  • Verbesserungen in verschiedenen Lebensbereichen, z.B. Medizin und Hygiene, Industrie, Elektrotechnik, Industrialisierung
  •  Zeit der „kleinen Angestellten, die nach viel-stündigen Arbeitstagen in die lichtarmen Hinterhofquartiere der schnell wachsenden Städte zurückkehrten“ (wie Gregor Samsa!)
  • Zeit des kulturellen Aufschwungs, Kunst und Kultur wird wichtiger
  • Nur wenige Menschen haben etwas von diesem Glanz und Glamour, auch Gregor Samsa ist nur „Zuschauer“ und hängt sich ein Bild einer glamourösen Frau (im Pelz) an seine Zimmerwand

F. Kafka = G. Samsa?

Franz Kafka starb mit nur 41 Jahren und sein Leben war gezeichnet von unschönen Erfahrungen.
Er wurde in Prag geboren (im Jahr 1883) und hatte  fünf Geschwister, drei Schwestern und zwei Brüder, aber die zwei Brüder starben früh. Kafka machte zwar das Abitur, aber schon mit 20 vebrachte er einige Zeit in einem Sanatorium (eine Klinik). Er studierte Jura und schloss sein Studium sogar als „Doktor der Rechte“ ab. Ab 1907 arbeitet er in einem Versicherugskonzern . Im August 1912, da ist er 29, lernt er eine Frau aus Berlin kennen, sie schreiben sich Briefe und in diesem Jahr beginnt auch Kafka zu schreiben.. Es entsteht seine erste Erzählungen „Das Urteil“. Im Oktober hat Kafka allerdings Suizidgedanken und im November verfasst er dann „Die Verwandlung“.
Mit Anfang 30 schreibt Kafka einen Brief an seinen Vater, hier einige Zitate daraus:
– „Du hast dein Leben lang schwer gearbeitet, alles für deine Kinder, vor allem für mich geopfert…“

– „Von allen Seiten her kam ich in deine Schuld.“
– „Seit jeher machtest du mir zum Vorwurf, […]  daß ich dank deiner Arbeit ohne alle Entbehrungen in Ruhe, Wärme und Fülle lebte.“
—-> passt zu „Die Verwandlung“: Auch Gregor Samsa glaubt, dass er seiner Familie etwas schuldet, und er arbeitet wie verrrückt, um diese Schulden  bei seinem Chef abzustottern. Für die Schulden sind aber seine Familie/sein Vater verantwortlich, und nicht er selbst. Auch Kafka schuldet seinem Vater nichts! Er fühlt sich aber so, als würde er ihm etwas schulden.
– „…man hätte annehmen können, dass du mich einfach niederstampfen wirst, daß nichts von mir übrig bleibt.“
– „dieses mich oft beherrschende Gefühl der Nichtigkeit.“
– „[…] Furcht, die ich vor dir habe.“
– „Jedenfalls waren wir so verschieden. […] Ich, mager, schwach, schmal, Du stark, groß, breit.“
– „Du dagegen ein wirklicher Kafka an Stärke, Gesundheit, Appetit, Stimmkraft […].“
– Du sagtes „Kein Wort der Widerrede! […] ich verstummte gänzlich, verkroch mich vor dir.“
—> Auch Gregor Samsa hat Angst vor dem übermächtigen Vater. Der Vater, der ihn mit seinem Stock zurück ins Zimmer drängt, und der nach Gregors Verwandlung plötzlich ganz stark und gesund wirkt, sogar in Uniform herumläuft. Vorher war er immer krank gewesen und hatte morgens stundenlang gefrühstückt.

In Kürze

Die kürzeste Inhaltsangabe von Kafkas „Die Verwandlung“?!
Es geht um den Tuchhändler Gregor Samsa, der sich eines Morgens in seinem Zimmer in ein Ungeziefer verwandelt vorfindet, und um seine Familie, die mit diesem neuen „Zustand“ Gregors überfordert ist. Nach einigen Zwischenfällen, die sich alle in der Wohnung der Familie zutragen, stirbt der immer noch verwandelte Gregor aufgrund einer Verletzung, die ihm sein Vater mit einem Apfel zugefügt hat.

Der Melonenwal

Ein kleines (Aquarell?-) Bild, das ich vor Kurzem auf einem Flohmarkt in Leipzig entdeckt habe… die Künstlerin hatte viele dieser selbst gemalten Bildchen im Angebot. Ich mochte das Bild auf Anhieb. Ich sehe darin eine grün-rote Wassermelonenscheibe, die sich durch ein paar Striche zu einem Wal verwandelt hat. Der Wal sieht sehr zufrieden aus und blubbert so vor sich hin. Einige andere Menschen sehen aber in dem Bild einen dicken (roten) Fisch in einem zu kleinen (grünen) Glas… So verschieden können die Perspektiven sein… Was hätte Kafka wohl in dem Bild gesehen? Und was siehst du?

Soul Eater

Der Anime „Soul Eater“ hat auch einiges mit dem Thema Verwandlung zu tun…

Die Schüler der Shibusen-Schule sind keine gewöhnlichen Kinder: anstatt Mathe und Deutsch stehen bei ihnen Seelensammeln und Transformationsunterricht auf dem Stundenplan. Die Verwandlung hier weist zwar einige Parallelen auf, aber auch einige Unterschiede. Die Charaktere des Anime verwandeln sich freiwillig (anders als Gregor Samsa) und außerdem auch nicht in Ungeziefer, sondern in „Waffen“ wie Sensen, Pistolen oder Morgensterne, um ihren Meistern bei der Seelenjagd zu assistieren.